Erhard Schütz
Aufklärung im Literaturforum
06.02.2016 10:20:22

Am 18. Februar werde ich im Literaturforum im Brechthaus,  Chausseestr. 125, um 20 Uhr Steffen Martus mit seinem Tausendseiter:

AUFKLÄRUNG. DAS DEUTSCHE 18. JAHRHUNDERT. EIN EPOCHENBILD (Rowohlt Berlin)

zum Gesprächspartner haben.


Steffen Martus, Literaturwissenschaftler an der Humboldt-Universität, Leibniz-Preisträger 2015, zuletzt Autor eines Bestsellers über die Brüder Grimm, hat nun ein fulminantes Buch über die Epoche der Aufklärung vorgelegt. Nicht nur wer bisher glaubte, Aufklärung sei moralinsauer und langweilig, wird darin gründlich und auf faszinierende Weise eines Besseren belehrt. Aus souveräner Kenntnis gelingt es Martus das deutsche 18. Jahrhundert so in seinen vielfältigen Facetten dazustellen, wie man das bisher noch nie hat lesen können. Spannender erzählt als jeder historische Roman, macht sein epochales Werk diese Zeit zugleich zu einem Spiegel unserer eigenen Gegenwart. Im doppelten Sinne ein Jahrhundertbuch!

Wer also immer schon mal über die Aufklärung wissen wollte, worüber er nicht schon aufgeklärt ist, wird hier bestens bedient werden!

Und im FREITAG war von interessierter Seite notiert worden:

„Schweigend beschleicht uns das Alter“, so Ovid. Was, wenn die Aufklärung in selbstgefälliger Mutlosigkeit altert und die Eule der Minerva nicht mal mehr in der Dämmerung zu fliegen Bock hat? Dann holt man sich neuen Schwung aus der Kindheit und Jugend der Aufklärung. Freilich kein leichtes Unterfangen, ist doch ihre Provenienz mehr als obskur. Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, so Kants knackiger Werbespruch, hieß im Alltag erst einmal Entdeckung von Unmündigkeit(en). Je tugendvoller die Entwürfe guter Gesellschaft, desto deutlicher, dass die Menschen mitnichten so sind und sein wollen. Um alles muss der Aufklärer sich kümmern, um Diätik und Umwelt, Politik und Ökonomie, Gesundheit und Wohlverhalten, Glauben und Unglauben. Überbietung, Neuerung und Neugier sind Triebfedern aber nicht ungefährlich. Das Mitreden und –schreiben der Untertanen ist Integration in Verantwortlichkeiten und Placebo zugleich. Die Schwarmintelligenz der Schwärmer erzeugt vor allem eins: produktive Unzufriedenheit. Treffender die damalige Formel: „Rege Ruhe“. So gegenwärtig, so von der Gegenwart aus und als ihr Spiegelkabinett, hat man über das Zeitalter der Aufklärung noch nicht gelesen. Steffen Martus lässt es im 17. Jahrhundert beginnen und mit dem ausgehenden 18. enden. Da geht es um Politiken, Strategien, Alleinstellungsmerkmale oder Branding. Immer wieder wird uns die Janusköpfigkeit von Personen, Projekten und Institutionen vor Augen gestellt. Ambivalenzen, Widersprüche, Umkehreffekte. Entlang an städtischen Zentren wie Halle, Leipzig, Hamburg etc., werden wir durch die gesamte Spannweite der Zeit, ihre Ideen und Realien geführt. Unterschwellig wird das von Leit- und Wunschbegriffen jener Zeit getragen - wie Gleichgewicht, Mitte, Ruhe und Zirkulation, Unruhe oder Gründlichkeit. Voller Überraschungen selbst beim Vorhersehbaren, Seiten- wie Überblicke, plastisch und stringent. Klug sowieso. Erhellend und einleuchtend. Obendrein aber in einer luziden, lebendigen und geschmeidigen Sprache, vor der jeder pfeifenbedampfte Großbiograf verzwergt. Um das Klischee an seine gelegentliche Richtigkeit zu erinnern: Spannender als jeder Roman! Das ist eine Sternstunde und wird Epoche machen.




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